Weissstorch

bestand

Um 1950 verschwand der Weissstorch aus der Schweiz. Aber dank dem ehrgeizigen Altreuer Wiederansiedlungsprojekt von Max Bloesch und dem Engagement der Gesellschaft Storch Schweiz wuchs der Bestand des Vogels langsam aber stetig auf heute über 400 Paare an. Der Bestand ist heute selbsttragend und wächst um 3% pro Jahr.

 

Ausschlaggebend dafür ist vor allem die sehr hohe Lebenserwartung der Altstörche (Überlebensrate 86% von Jahr zu Jahr). Da aber bereits eine geringfügig kleinere Überlebensrate der Altvögel zu einem Bestandsrückgang führen könnte, gilt es, die nach wie vor bestehenden Gefahren wie elektrische Leitungen, offene Wassertürme und die Wilderei in Afrika einzudämmen. Eine möglicherweise neue Gefahr droht durch Windenergieanlagen.

 

Der Reproduktionserfolg des Weissstorchs in der Schweiz wird v.a. durch hohe Niederschläge während der Jungenaufzucht negativ beeinflusst (1,65 flügge Jungen pro Paar). Die Bestandesentwicklung des Weissstorchs ist sehr gut dokumentiert. Seit über hundert Jahren werden die Besetzung der Horste und der Bruterfolg Jahr für Jahr landesweit vollständig registriert. Die Jungvögel werden mit wenigen Ausnahmen systematisch beringt.  



schutz

Die Intensivierung und moderne Methoden der Landwirtschaft sind verantwortlich, dass diese Stelzvögel heute Probleme haben, ihre Jungen mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich durch ihre Vorliebe für feuchte Wiesen, die zunehmend entwässert wurden, durch Kollisionen mit Freileitungen, den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und den Jagddruck in den Durchzugs- und Winterquartieren. Sollen die stolzen Vögel bei uns auch in Zukunft ein Auskommen haben, müssen wir für sie geeignete Lebensräume erhalten und aufwerten. 

projekt vnvr

Als im Zentrum Erlenhof im Winter 2014 beabsichtigt wurde, alte Pappeln beim Pferdestall aus Sicherheitsgründen zu fällen, entstand die Idee, die Bäume lediglich zu kappen und darauf Bruthorste für den Weissstorch zu montieren. In der Nähe, auf Aescher Boden, zieht ein Storchenpaar seit 2012 erfolgreich Junge auf. Nach einigen Abklärungen konnten wir beim Technischen Dienst des Erlenhofs Horste für fünf Standorte in Auftrag geben. Vier Baumnester und ein Gebäudehorst auf dem Erlenhof-Areal sowie ein Gebäudehorst beim Bruderholzhof (zuständig Natur- und Vogelschutzverein, Oberwil).  


Montage und Einweihung der Nester

Am 6. März 2015 wurden alle Nester bei schönstem Wetter mithilfe eines gemieteten Krans durch Erlenhof-Mitarbeiter montiert.  

Mitte Juni wurden die Horste im Beisein zahlreicher Vereinsmitglieder mit einer kleinen Feier eingeweiht. Dabei ereignete sich eine Überraschung, mit welcher wohl niemand gerechnet hätte: Nach Abschluss des Festes setzte Regen ein und die Dämmerung machte sich bemerkbar. Die meisten Gäste hatten den Ort bereits verlassen. Plötzlich flog ein Storch über die wenigen Verbliebenen hinweg in Richtung Reinach und kehrte in einem grossen Bogen zurück, setzte sich zur riesigen Freude aller auf einen der eben eingeweihten Horste.

 

Mithilfe des Fernrohrs gelang es Storchenspezialist Bruno Gardelli den Ring am Bein zu entziffern. Er war  im Jahr 2014 in Aristau/AG geschlüpft und dort am 24. Juni beringt worden.  Der Storch verbrachte in der Folge einige Nächte an Ort und zog dann weiter. Wir erachteten dies als gutes Omen, was sich im nächsten Frühling mit der ersten erfolgreichen Aufzucht von zwei Jungstörchen nach über 80 Jahren in Reinach auch bewahrheitete!

Für mehr Information über den Weissstorch, lesen Sie das Merkblatt vom Sempach Vogelwarte.